Aachen. Es hat was von einem Kostümfest, was Michael Kuhn da in seinem Hausflur treibt. Historische Gewänder hängen auf Kleiderbügeln, auf dem Stuhl liegt ein Kettenhemd. In ihren Händen halten Kuhn, Tatjana Lehnen und Judith Vogt echte Schwerter, Lanzen, Helme und Schilder.
Ganz sieht es so aus, als würden sie gleich aufbrechen - zum nächsten Mittelalter-Festival, zum antiken Jahrmarkt oder zum Live-Rollen-Spiel in irgendeinem Waldstück.
Aber für Kuhn und seine Kolleginnen stehen diese Utensilien nicht nur für den reinen Freizeitspaß, der bei oben genannten Veranstaltungsort wenig mit der historischen Wirklichkeit zu tun hat. Die drei sind Geschichtsfans und -kenner und als solche wollen sie die Vergangenheit wieder lebendig machen, so wie sie - zumindest den Geschichtsbüchern zufolge - tatsächlich gewesen ist. Und das tun sie mit Büchern und szenischen Lese-Events unter dem Namen des 2008 in Aachen gegründeten Verlags Ammianus.
Autor und Verleger ist Michael Kuhn. Er studierte Geschichte und Politik an der RWTH und war viele Jahre in Aachen als Archäologe tätig. Er kennt sich also aus mit der Vergangenheit, auch auf der wissenschaftlichen, tiefergehenden Ebene, die bei Historien-Spektakeln kaum eine Rolle spielt. Schon immer verspürte Kuhn den Drang, sein Wissen und seine Begeisterung für Geschichte - vor allem für die spätantike bis mittelalterliche - mit anderen zu teilen, ihr Interesse zu wecken, ihnen zu zeigen, warum dieses Fach so spannend ist.
Zu Studienzeiten organisierte er historische Autorallyes mit Quizfragen, die es in einer Art Schnitzeljagd zu beantworten galt. Das lief einige Jahre sehr erfolgreich, doch Kuhn wollte mehr, ein breiteres Publikum ansprechen. So kam er zum Schreiben. 2004 entstand nach einer persönlichen Suche auf den Spuren der Römer durch die Eifel sein «Ur-Marcus» - eine Sammlung aus Kurzgeschichten über den römischen Offizier Marcus Junius Maximus, der im vierten Jahrhundert nach Christus im Rheinland lebte.
Diese Sammlung bildete den Grundstock für Kuhns ersten Roman: «Marcus - Soldat Roms». Auf der Basis von historischen Fakten - Schauplätzen, Figuren, Ereignissen - schrieb er in den vergangenen sieben Jahren insgesamt drei weitere Marcus-Romane. Jüngst erschien Buch Nummer vier, das Auftaktwerk einer neuen historischen Trilogie um den Merowinger Marcellus.
Mit dem Erfolg wechselte Kuhn den Hauptberuf vom Archäologen zum Verleger. Bei Ammianus gibt er seine eigenen Bücher heraus. «Da ich keine typischen Historien-Romane schreibe, war es schwierig einen Fremd-Verlag zu finden», erklärt Kuhn. «Also veröffentlichte ich auf eigene Faust.» Mit Erfolg. Knapp 10.000 seiner Bücher wurden bisher verkauft. Kuhns Leser schätzen die Besonderheit seiner Romane. Und die liegt in der Genauigkeit und Faktentreue.
Romane als Reiseführer
Kuhn: «Meine Prämisse lautet: Genauso hätte es gewesen sein können.» Entsprechend akribisch fällt auch der Anhang aus, der zu jedem von Kuhns Romanen gehört. Dort sind alle Personen, Stätten und Ereignisse aufgeführt, die die Grundlage seiner Geschichte bilden. So können die Leser die Bücher sogar als Reiseführer nutzen und die Handlung an den echten Schauplätzen nachvollziehen. Obendrein sind archäologische Funde - Waffen, Gefäße, Werkzeuge - oder historische Kleider abgebildet.
Für die Illustrierung ist Tatjana Lehnen zuständig. Sie wuchs mit Kuhn in der Nähe von Mönchengladbach auf, verlor ihn aber lange Zeit aus den Augen. Bei einer seiner Lesungen traf sie ihn wieder. «Michael konnte schon immer gut Geschichten erzählen. Und ich fand es einfach toll, was er machte.» Wenig später war die Idee von Dialog-Lesungen geboren. Seither touren die beiden gemeinsam durch die Republik, lesen aus Kuhns Romanen in verteilten Rollen - in Buchhandlungen, Kultureinrichtungen und bei Epochen- und Mittelalterfesten.
Wichtigstes Merkmal ihrer Veranstaltungen ist der Eventcharakter. Lehnen: «Zu unseren Veranstaltungen kommen wir in Gewandung und bringen gerne auch mal Ausgrabungsstücke wie Münzen und Schwerter mit. Oder wir verbreiten Weihrauch.» Von einer klassischen Lesung sind die beiden also weit entfernt. Sie wollen unterhalten - und gleichzeitig Wissen vermitteln.
Romane über Sagen und Mythen
Diese Mischung hat auch Judith Vogt direkt gefallen. Die Aachener Autorin hat ihr Erstlingswerk im vergangenen Jahr in der bei Fantasy-Fans populären Romanreihe «Das schwarze Auge» veröffentlicht. Fantasy? Dieses Genre scheint zunächst so gar nicht zu Michael Kuhn und seinem Wahrheitsanspruch zu passen. Dennoch wird Vogt im März die erste Autorin sein, die der studierte Geschichtswissenschaftler in seinem Verlag unter Vertrag nimmt.
Bei Ammianus veröffentlicht Vogt dann einen Roman, der eine gegenwärtige Handlung mit verschiedenen Eifeler Mythen und Sagen verknüpft, unter anderem von den sogenannten Matronen. Es ist der Auftakt für eine Trilogie, die im zweiten Teil auch in Aachen spielt. Kuhn: «Sagen gehören zur historischen Überlieferung dazu. Und Judiths Geschichten sind gut recherchiert. Deshalb passt sie zu Ammianus.» Lesen, Lernen und Unterhaltung - das ist Kuhns Erfolgkonzept, das er auch in Zukunft fortführen will.
Aachener Nachrichten von Martina Rippholz 04.01.2012
Zitadellenbüchernacht: Gäste wechseln ständig die Orte
Jülich. Der Publikumszuspruch hat gestimmt. So zeigten sich die Veranstalter der ersten Zitadellenbüchernacht - das Museum Zitadelle und die Buchhandlung Fischer - durchaus zufrieden.
«Heute sind die Autoren bereit, Auge in Auge mit dem Publikum zu treten, eine ganz neue Herausforderung», beleuchtete der Landrat die Büchernacht von allen Seiten. Besonders erfreut zeigte er sich über die Möglichkeit, «hier in Jülich an prominenter Stelle das Kreisjahrbuch vorzustellen. Wir, die wir die Bücher lieben, kämpfen mit vielfältiger Konkurrenz», setzte er nach.
In den Pausen bestand Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen, mit den Autoren oder untereinander. Ein Büchertisch mit den vorgestellten Werken war im Südostturm aufgebaut. Gerne machten die Gäste von der Gelegenheit Gebrauch, ihren Abend selbst zu gestalten. In bester Laune wechselten sie zwischen Schlosskapelle, Lehrerzimmer, Kapelle und Küche im Schlosskeller hin und her - immer den Organisationsplan in Händen.
Die historische Dimension erschloss sich auch den Freunden der Belletristik, die im Kellergewölbe den Passagen lauschten, die Michael Kuhn und Tatjana Lehnen aus Kuhns neuestem Werk «Marcellus, der Merowinger» lasen. Gleich im ersten Kapitel erteilt sein bester Freund Marcellus den Rat, er möge sich vor dem Bastard hüten und sich in Sicherheit bringen. Damit war die Saat für eine packende Geschichte gelegt, die Zuhörer ließen sich in Gedanken mitten in das Geschehen mitnehmen. Eine Treppe aufwärts zu gehen bedeutete, in der Schlosskapelle etwa 500 Jahre später zur Zeit der ersten Jahrtausendwende wieder aufzutauchen.
Aachener Zeitung 13.11.2011
Spurensuche in der Spätantike
Aachen. Für Michael Kuhn ist es so etwas wie eine Lebensaufgabe geworden, seine Mitmenschen für die Welt der Geschichte zu begeistern. Das liegt nicht nur daran, dass er in Aachen neben dem Fach der Politischen Wissenschaften auch Geschichte studierte.
Romanvorstellung des neuen Romans von Michael Kuhn: derAutor(links) mit Buchhändler Dr. Walter Vennen. Foto: Andreas Schmitter
Die Welt der Geschichte prägte schon immer seinen beruflichen Werdegang - ob als Archäologe oder Buchautor. Sein neuestes Werk ist ein weiteres Beispiel dafür, wie gerne sich Kuhn auf die Spurensuche der Spätantike und des frühen Mittelalters begibt. «Marcellus - Der Merowinger» ist ab sofort im Handel erhältlich.
Es ist der erste Band eines historischen Romans, der sich um den jungen Romanen Marcellus dreht, der im 5. Jahrhundert am Hofe des Rheinfranken Sigibert heranwächst und das Handwerk des Kriegers erlernt. Seine Tage der unbeschwerten Jugend sind schnell gezählt, schon früh ist Marcellus gezwungen, zu einem Mann heranzuwachsen.
Als die Krieger der Alemannen die Länder an Rhein und Mosel an sich reißen wollen, erhält Marcellus den Auftrag, eine burgundische Prinzessin ihrem Bräutigam zuzuführen. Ausbrechende Kämpfe, Verschwörungen gegen das Leben des Merowingers Chlodwig sowie die Wirrungen der Liebe sind dafür verantwortlich, dass seine Reise zu einem riskanten und gefährlichen Unternehmen wird, das auf dem Schlachtfeld von Zülpich seinen Höhepunkt findet.
«Den Leser erwartet sehr viel Spannung», verspricht Michael Kuhn, der 2008 den Ammianus-Verlag in Aachen mit gründete, in dem sein neues Werk erscheint. Zuletzt hatte er an der Marcus-Triologie gearbeitet, rund 12.000 Exemplare wurden in den vergangen drei Jahren verkauft.
Einer Sache ist sich Kuhn auch bei seinem neuen Werk treu geblieben: der Spurensuche. Denn nicht nur Kuhn begab sich für seinen Roman auf eine Reise durch die Geschehnisse der Spätantike. Auch für den Leser besteht die Möglichkeit, die Handlungsorte des Romans aufzusuchen.
«Im Anhang befinden sich erneut rund 20 Seiten mit Fotos, Karten und Zeichnungen. Viele Leute erkunden nach dem Lesen die Orte der Handlung», verrät Kuhn. Der Leser begleitet Marcellus in dem Roman unter anderem an die Orte Aachen, Maastricht, Tongeren, Jülich und Zülpich.
Zweiter Teil in Planung
Der zweite Teil des Romans ist schon in Planung und soll bereits im kommenden Sommer erscheinen. «Im Kopf ist die Handlung schon fertig», sagt Kuhn. Bald also auch auf Papier. Das Buch hat 399 Seiten, kostet 19,90 Euro und ist erschienen im Ammianus Verlag. ISBN: 978-3-9812285-3-3
Aachener Zeitung, André Schaefer 06.11.2011
Marcellus der Merowinger erobert das Museum in der Torburg
Stolberg. Der Aachener Buchautor Michael Kuhn liest aus seinen Werken am Sonntag, 13. November, um 16 Uhr im neu eingerichteten Vortragsraum des Museums in der Torburg. Passend zur neu errichteten Ausstellung «Stolberg in römischer Zeit» liest Kuhn aus seiner Romantrilogie um den römischen Offizier Markus, der im 4. Jahrhundert n. Chr. im Rheinland lebte.
Er erlebt wie Kaiser Julian zum letzten Mal die Grenze am Rhein für das Imperium zurückerobert. Liebhaber des historischen Romans werden auf eine spannend geschriebene Zeitreise eingeladen, die durch lebensnah erzähltes und bis ins kleinste Detail recherchiertes römisches Alltagsleben bereichert wird. Fotos, Zeichnungen und Karten geben den Bezug zur heutigen Welt. Auch für Schüler ist dies ein lohnender Weg, in die entferntere Vergangenheit unserer Heimat einzutauchen und zu erfahren, wie die Menschen damals gelebt haben.
Michael Kuhn M.A., Jahrgang 1955, studierte in Aachen Geschichte und politische Wissenschaften. Das Anliegen, bei seinen Mitmenschen Interesse und Verständnis für die faszinierende Welt der Geschichte zu wecken, durchzieht seine Vita wie ein roter Faden. Inzwischen liegt der vierte Historienroman vor. «Marcellus - Der Merowinger» ist der Ururenkel von Marcus und lebt 100 Jahre später um 486 n. Chr.
Mit ihm und dem Merowingern beginnt das Mittelalter. Der wird spannende Passagen aus seinem neuen Buch vorlesen und den Zuhörern nebenbei vermitteln, wie man im nördlich-östlichen Teil des Imperium Romanum gelebt hat. Vor und nach der Lesung können sich die Besucher mit einer Tasse fair gehandelten und frisch geröstetem Kaffee und einem leckeren Stück selbst gebackenem Kuchen stärken und nicht nur die Exponate im Glasraum und die Ausstellung «Bierbrauen in Stolberg» ansehen, sondern eine Einladung, die neue Präsentation Stolberg in römischer Zeit zu besuchen.
Aachener Zeitung, 10.11.2011
„Mit dem zweiten Teil der spannenden Trilogie zum Schicksal des römischen Offiziers Marcus Junius Maximus setzt der Aachener Historiker und Histotainmentspezialist Michael Kuhn ein Buchkonzept fort, das derzeit seinesgleichen sucht. […] »Großes Kino« also für einen Zeitabschnitt innerhalb der römischen Antike, der bisher nur recht wenig im Focus der Romanszene stand.“
Archäologie in Deutschland, Juli-August 2011
„Im Romantext wird dabei lebendig und differenziert ein Bild vom römischen Europa in der Auflösung gezeichnet. Wer von einem historischen Roman mehr erwartet als nur eine geschichtsnahe Kulisse und zugleich auch mehr wissen möchte über den (spät)römischen Alltag, der findet hier beachtenswerten Lesestoff, der eine gute Ergänzung zu trockeneren Sachbüchern darstellt.“
Miroque, III/2011
„Michael Kuhn gelingt es, mit dem historischen Hintergrund (wissenschaftlich fundiert!) den Leser immer wieder zu überraschen. Es ist ein sehr spannender Roman, der facettenreich die einzelnen Personen darstellt, ohne einen Laien zu überfordern. Er macht neugierig auf die verschiedenen Orte der Handlung, welche ja im historischen Reiseführer gut beschrieben werden. Ein seltener Fall von „Fortsetzungs-Roman“, der sich mit jedem weiteren Band steigerte! Uneingeschränkt empfehlenswert!“
Karfunkel, Nr. 2 - 2011
Aachener Nachrichten Aachener Zeitung vom 30.08.2008 vom 05.09.2008
Rhein-Erft-Kreis Rheinzeitung vom 25.04.2009 vom 29.07.2009
Trierer Volksfreund Rheinzeitung Koblenz Trierer Volksfreund vom 09.05.2009 vom 14.10.2009 vom 23.11.2009
Aachener Nachrichten Aachener Zeitung vom 26.10.2010 vom 31.10.2010